Junge Bauern bangen um ihre Zukunft - Klöckner verteidigt Düngeregeln

Für Bundesagrarministerin Julia Klöckner ist das Treffen mit jungen Landwirten in Burgdorf bei Hannover nach Monaten der Treckerdemos kein einfacher Termin: Draußen protestieren Tierschützer gegen die Agrarindustrie, drinnen brodelt es wegen neuer Vorgaben zum Umweltschutz auch bei den Bauern. Als bekannt wird, dass die Ministerin nach ihrem Vortrag am Dienstag aus Termingründen nicht an einer Diskussion mit den Landwirten teilnehmen wird, geht ein Raunen durch den Saal. Es herrscht Redebedarf in der Landwirtschaft.


Vor allem die Düngeverordnung erhitzt die Gemüter der Bauern. Im Kern geht es dabei um den Schutz des Grundwassers: Die EU-Kommission hat die Bundesregierung wiederholt ermahnt, mehr gegen die Verunreinigung des Wassers zu unternehmen. Gelingt das nicht, drohen Deutschland Geldstrafen in Millionenhöhe. Die Bauern befürchten hingegen, dass weniger Dünger auch weniger Ertrag bedeutet - viele junge Landwirte sehen deswegen ihre ganze berufliche Zukunft in Gefahr. Ministerin Klöckner treibt die neuen Düngeregeln trotzdem voran. In Burgdorf wirbt sie um Verständnis und nimmt die Bauern in die Pflicht.


Zu behaupten, die Landwirtschaft habe keine Auswirkungen auf die Nitratwerte im Grundwasser, sei «eine steile These» - so ehrlich müsse man sein, sagt die CDU-Politikerin. Allein in Niedersachsen setzten die Landwirte zuletzt binnen eines Jahres rund 50 000 Tonnen Stickstoff mehr ein als die Pflanzen zur Düngung gebraucht hätten.


Bei den jungen Landwirten herrscht hingegen das Gefühl vor, sie müssten das ausbaden, was ihre Vorgänger verbockt haben. «Wir als junge Generation sind nicht gewillt, für das Handeln voriger Generationen, das jahrzehntelang geltendem Recht entsprach, jetzt kollektiv in großen Teilen des Landes bestraft zu werden», sagt Niklas Behrens, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen. «Wir werden nicht sehenden Auges unseren Höfen ein Grab schaufeln.»


Klöckner verweist indes auf Teilerfolge: Im Ringen mit der EU habe sie bereits erreicht, dass die verringerte Düngung nicht flächendeckend, sondern nur in belasteten Gebieten gelten werde. Die Messbedingungen müssten zudem bundesweit einheitlich sein. Deutschland stehe aber nicht am Anfang eines Dialogs mit der EU, sondern am Ende eines juristischen Prozesses. «Wir sind verklagt worden und waren in allen Punkten unterlegen», sagte Klöckner.


Eine große Chance sieht die Ministerin dagegen in der Digitalisierung. Mit präziseren Maschinen und genaueren Daten könne die Branche künftig mit weniger Ressourcen mehr Menschen satt machen. Diejenigen, die die Modernisierung umsetzen sollen, sind weniger euphorisch. Die Digitalisierung könne ein Baustein für die Zukunft der Landwirtschaft sein, sagt Behrens. Für viele kleine und mittlere Betriebe seien die modernen Geräte aber schlicht zu teuer.


Die Arbeit als Bauer werde so zunehmend unattraktiver, warnt Behrens. «Noch sind es viele, die das anpacken wollen», sagt er. «Aber leider werden es auch täglich weniger.» Auch der Agrarwissenschaftler Alfons Balmann gibt zu bedenken, der Wandel der Branche werde «nicht ohne schmerzhafte Anpassungsprozesse zu bewältigen sein».


Optimistischer gibt sich Louisa Backhaus, eine Landwirtin aus der Wedemark. «Die nächste Generation steht in den Startlöchern. Wir sind alle hoch motiviert», sagt sie und fordert Offenheit für Veränderungen. Die größte Herausforderung sei es, wieder einen sachlichen und fachlichen Austausch mit der Politik hinzubekommen. Ministerin Klöckner ist da schon unterwegs zum nächsten Termin.

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